HERDENKEN & VIEREN

16 APRIL 2020 – 75 JAAR BEVRIJDING VELP

Toespraak door burgemeester Carol van Eert

4 MEI 2020 - DODENHERDENKING

Dit jaar zou in Velp voor de 75ste keer een herdenking plaatsvinden voor de gevallenen in de Tweede Wereldoorlog. Een meisje dat er al op haar tiende bij was is mevrouw Clan Visser ’t Hooft. Haar vader was huisarts en voorzitter van het Rode Kruis.  Haar toespraak, nu als 85-jarige, zou het hoogtepunt zijn van deze bijzondere Dodenherdenking in Velp. Maar vanwege de coronacrisis bleef iedereen thuis op 4 mei 2020.

 

Dankzij onderstaande opname kunt u mevrouw Visser ’t Hooft toch haar toespraak zien en horen uitspreken.   

Stil staan - namens leerlingen van alle basisscholen in Velp.

(foto 2018 – Martin Volmeijer)

4 MEI-VOORDRACHT

Toespraak door mevrouw Clan Visser ’t Hooft

WILHELMUS TIJDENS NATIONALE DODENHERDENKING 2018

Wilhelmus van Nassouwe ben ik van Duitsen bloed,

den vaderland getrouwe blijf ik tot in den dood.

Een prinse van Oranje ben ik, vrij, onverveerd,

den Koning van Hispanje heb ik altijd geëerd.

BIJDRAGE LEERLINGEN BASISSCHOOL

KRANS- EN BLOEMLEGGING 2020

Hymne ‘Abide with me’ (Blijf bij mij Heer) door brassband Pro Rege uit Heerenveen. Gezamenlijk gespeeld, maar veilig thuis op 11-4-2020.  

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EIN 10-JÄHRIGES MÄDCHEN​

Wenn ich über die bizarre Zeit nachdenke, in der wir jetzt leben, drängt sich von selbst der Vergleich auf mit den Kriegsjahren. Es gibt zwar einen Feind, allerdings ist der jetzt unsichtbar, ein stiller Feind, ein Meuchelmörder.

Ganz im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg, in dem wir zu tun hatten mit einem allgegenwärtigen Feind an allen Straßenecken, mit gewalttätigem Lärm. Heute müssen wir Abstand halten, damals rückten wir dagegen eng aneinander. Angst vor Ansteckung ist eine andere Form der Angst als die konstant anhaltende, formlose Angst vor Kriegsgewalt.

Was dabei übereinstimmt, ist die Tatsache, dass wir einander gegenseitig brauchen, um zu überleben.

Das an sich ist ein großes Gut! Wir wollen hoffen, dass es dieses Mal eine bleibende Lehre sein wird.

 

Ich bin geboren und aufgewachsen in Velp. Unser altes Haus stand an der Ecke Hoofdstraat und Stationsstraat.

Mein Vater war Hausarzt.

Ich war ein 10-jähriges Mädchen, als am 16. April 1945 unsere Befreier, die kanadischen Polar Bears, in der Nähe, im Villapark, ihre Zelte aufstellten. Wir als neugierige Kinder trieben uns zwischen den Zelten herum und bekamen alles Mögliche zugesteckt.

Ich bekam eine enorme schneeweiße Scheibe Brot und einen Riegel Schokolade! Ich rannte nach Hause, und am Küchentisch schnitt meine Mutter die Scheibe Brot in 6 Stücke und brach den Schokoladenriegel in 6 Stückchen, eins für jeden von uns.

Es war das allerleckerste Häppchen, das ich jemals im Leben gegessen habe!

 

Jetzt sind wir 75 Jahre weiter, 75 Jahre des Friedens, jedenfalls in Westeuropa. Umso mehr bin ich mir dessen bewusst, dass Frieden nicht länger selbstverständlich ist. Es ist ein kostbares Gut, ein großes Geschenk, vor allem aber auch ein Auftrag.

Komisch, dass gerade jetzt, wo es uns in diesem Land materiell so gut geht, die Leute zunehmend mit einem Gefühl des Unfriedens zu leben scheinen und schnell aufgebracht sind. Wie ist sowas möglich?

Während des Krieges war man wirklich aufeinander angewiesen, wir brauchten einander. Bis jetzt aber leben wir in einer Zeit, in der jeder für sich selbst sorgt. Und wiederum stellt sich heraus, dass wir in Zeiten der Not nicht ohne gegenseitige Hilfe auskommen können.

 

Ich nannte schon die Angst als konstanten Gefährten: vor dem Geräusch der V2-Raketen mit ihrem beängstigenden Brummen, das ab und zu plötzlich stockte – kam sie jetzt heruntergestürzt? Aber wo?

Angst vor Verrat: wem konnte man vertrauen, wem konnte man etwas sagen, musste man etwa lügen? So waren wir doch nicht erzogen worden…

Angst vor Verlust: Mutter geht nach draußen, kommt sie auch wieder zurück? So wie die Mutter unserer Freunde Van Griethuysen, etwas weiter in der Hoofdstraat. Sie wurde im Garten von einem Granatsplitter getroffen und war sofort tot…

Und wo war Tommie, meine jüdische Mitschülerin, plötzlich geblieben?

Regelmäßig wurden unerwartet Leute verhaftet und deportiert. Pfarrer Schaars zum Beispiel, und Pfarrer Oskamp.

An einem Tag, den ich nie vergessen werde, stand ich im Vorgarten, als mein Vater den Gartenpfad heraufgefahren kam. Er drängte mir sein Motorrad in die Hände und verschwand pfeilschnell. Kurz darauf fuhr ein Überfallwagen durch den Gartenzaun herein. Ich stand verdutzt da, mit dem röhrenden Motorrad in den Händen. Ein deutscher Soldat stieg aus. ‘Wo ist dein Vater?’ Keine Ahnung. Er stellte den Motor ab und ging ins Haus, auf der Suche nach meiner Mutter. Auch sie wusste natürlich nicht, wo mein Vater geblieben war. Sie wusste in jenem Moment ja noch nicht einmal, dass er überhaupt weggelaufen war. Eine Woche lang blieb er weg. Für meine Mutter muss das eine Hölle gewesen sein, nicht zu wissen wo er war, und wann und ob er je zurückkommen würde. Tagelang war sie dem Weinen näher als dem Lachen. Tapfer tat sie so, als sei nichts geschehen, aber uns konnte sie da nichts vormachen… Die Angst vor Verlust, vor dem Unbekannten!

Ich habe meinen Vater nie gefragt, wo er sich damals versteckt hatte.

 

Das Krankenhaus in der Tramstraat funktionierte als eine  Hochburg des Widerstands. Die Hausärzte aus Velp spielten dabei eine Schlüsselrolle. Mein Vater war einer von ihnen. Untergetauchte gab es mengenweise, manche in weißen Kitteln als ärztliche Assistenten, andere als Küchenhilfen, Handwerker oder sogenannte Patienten.

Während der Schlacht um Arnheim hatte es ja mehr als genug Verwundete und Kranke gegeben. Ein Schild beim Eingang des Krankenhauses meldete, dass eine ansteckende Krankheit herrschte. Das hielt die Deutschen draußen.

 

Wenn die Sirenen des Luftalarms heulten, flüchteten wir in den Keller, zum Schutz vor der bösen Außenwelt. Dort fühlten wir uns sicher, weil meine Mutter uns stundenlang vorlas über die Abenteuer von Dr. Doolittle mit seinen Tieren und über ‘Harlekijntje’. Sie konnte wunderbar Märchen erzählen, so dass wir vorübergehend vergaßen, was sich über unseren Köpfen abspielte.

Als um die majestätischen Kastanienbäume vor unserem Haus rote Bänder befestigt wurden, zum Zeichen dass sie eventuell umgesägt werden sollten, um die Fahrzeuge der Befreier aufzuhalten, hielten wir uns zusammen mit Familie Van Griethuysen – 3 Elternpaare und 9 Kinder – verborgen auf Boulevard 25, bei zwei alten Damen, Patientinnen meines Vaters. Als älteste Kinder hatten wir einmal täglich ‘Tretdienst’ im Bach. Darin hatte ein Nachbar illegal einen Stromerzeuger fabriziert, den wir abwechselnd kräftig radelnd zum Leben erwecken mussten, damit unsere Eltern Radio Oranje hören konnten.

 

Schon seit Jahrzehnten haben wir uns jetzt gewöhnt an den Luxus, in dem wir leben.

Man braucht heute nicht mehr:

  • Wasser zu holen bei der Pumpe, mit einem Helm auf … JETZT kommt Wasser einfach aus der Leitung, soviel man will;
  • endlos Schlange zu stehen für 1 Liter Magermilch und einen Brocken steinhartes Brot … im Gegenteil. JETZT können wir an den überfüllten Regalen im Supermarkt kaum eine Wahl treffen, und wer nicht aufpasst, wird zu dick;
  • immer dieses Gefühl nagenden Hungers zu spüren und einen leeren Magen …

Ich weiß noch gut, wie mein 12-jähriges Brüderchen und ich mit einer Schubkarre zum Ossendal gingen, um den Bauern um Zuckerrüben zu bitten. Unser Garten war zwar in einen Gemüsegarten verwandelt worden, aber der lieferte nie genug, um alle leeren Mägen zu füllen; wir teilten unser Haus nämlich auch mit einer Anzahl von hungrigen Flüchtlingen… JETZT laden wir unsere Einkaufswagen voll.

 

Man braucht sich nicht mehr im Keller zu verkriechen, sobald ein Alarm zu hören ist … JETZT kann man sich bewegen wo und wann man will.

  • …Angst zu haben vor fliegenden Bomben mit feurigen Schweifen in der Luft… JETZT sieht man höchstens Kondensstreifen von Flugzeugen voller Urlauber auf dem Weg zu ihrem Ziel;
  • …Angst zu haben voor lodernden Flammen. Der feuerrote Himmel über Arnheim, und, näher bei uns, Hotel Naeff in der Hoofdstraat, das die Deutschen selbst in Brand gesteckt hatten, weil dort ihre ganze Kriegsdokumentation deponiert war, vor lauter Angst, diese könnte den Befreiern in die Hände fallen. Und noch näher: unser Nachbarhaus, das in Flammen aufging, getroffen von einer Granate … wann würde unser eigenes Haus an der Reihe sein? … JETZT kann Feuer auch wieder eine festliche Bedeutung haben, zum Beispiel ein Feuerchen machen, um Fleischspieße oder Marshmallows zu grillen.

 

Wir brauchen nicht mehr auf der Hut zu sein vor dem Unbekannten, dem Unerwarteten, die Ohren offen und die Augen aufgesperrt, denn man konnte nie wissen …

JETZT geht man unbesorgt nach draußen, ohne groß dabei nachzudenken, was nun allerdings durch die Coronakrise für eine gewisse Zeit eingeschränkt ist.

Alles was uns heute selbstverständlich erscheint, ist jedoch erkämpft! Dafür haben junge Leute und Erwachsene ihr Leben gewagt oder sogar aufgeopfert, so dass wir in Frieden leben können!

Frieden hat sich jedoch nicht länger als selbstverständlich erwiesen, denn überall um uns her sehen wir die letzte Zeit UN-Frieden in der Gesellschaft entkeimen:

Polarisierung, politische Gegensätze, Entfremdung, Misstrauen.

Die Toleranz – jahrhundertelang unser Aushängeschild in Europa – scheint langsam aber sicher zu verkümmern.

 

Nach dem Krieg herrschte eine Atmosphäre voll Idealismus, Zusammenarbeit und Verbindung. Die Grundsätze für internationale Zusammenarbeit schufen das Fundament für die Entwicklung gemeinschaftlicher Interessen innerhalb Europas, über Landesgrenzen hinaus. JETZT aber machen sich wieder nationalistische Gefühle allerorts bemerkbar.

Rassismus und Antisemitismus sind immer noch nicht ausgerottet, sie nehmen sogar wieder zu!

Wir stehen dabei und sehen zu. Ist das eine Welt, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen wollen? Frieden ist für uns ein Auftrag HIER und JETZT!

 

Es ist unsere tagtägliche Verantwortung, bereit zu sein, andere Meinungen und Gewohnheiten anzuhören und zu respektieren. Darüber Gespräche zu führen und den anderen nicht gleich als Bedrohung zu sehen – den Moslem, den Flüchtling, usw.

Versuchen, Unterschiede zu überbrücken, voneinander zu lernen und tatsächlich miteinander zu leben – das ist die beste Art, unsere Freiheit zu verteidigen!

 

Es ist unsere tagtägliche Verantwortung, den Frieden mit allem was uns zur Verfügung steht zu erhalten und zu pflegen. Das beginnt schon im kleinen Kreis, so wie ein in den Teich geworfener Stein Kreise verursacht, die sich immer weiter ausbreiten. Das sind wir unseren Befreiern und den Tausenden, die für uns ihr Leben gewagt und gegeben haben, verschuldet.

Davon abgesehen ist dies das größte Geschenk, das wir einander geben können.

Ein Zusammenleben, eine Gesellschaft ohne Angst und Bange!